Seit dem 10. April 2026 ist es an allen Außengrenzen des Schengen-Raums vollständig in Betrieb: das neue Einreise-/Ausreisesystem EES, kurz für Entry/Exit System. Wer in den letzten Monaten von einer Reise außerhalb der EU zurückgekehrt ist, hat die neuen Selbstbedienungsterminals an den Flughäfen vielleicht schon gesehen. In meiner Beratung in Koblenz und der Region werde ich gerade häufig danach gefragt, was sich für die nächste Reise wirklich ändert – passend zur Zeit, denn mit den Herbstferien in Rheinland-Pfalz vom 5. bis 16. Oktober steht schon die nächste große Reisewelle bevor. Grund genug, das Wichtigste einmal in Ruhe zu erklären, ohne Panikmache und ohne Kleingedrucktes.
Was ist das EES eigentlich?
Das Entry/Exit System ersetzt den klassischen Passstempel durch eine digitale Erfassung. Bei jeder Ein- und Ausreise an einer EU-Außengrenze werden künftig die Daten des Reisedokuments, ein biometrisches Gesichtsfoto und die Fingerabdrücke gespeichert. Ziel der EU ist es, die erlaubte Aufenthaltsdauer von bis zu 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen zuverlässiger zu überwachen und Identitätsbetrug an der Grenze schwerer zu machen. Betroffen sind grundsätzlich Reisende aus Nicht-EU-, Nicht-EWR- und Nicht-Schweizer-Staaten, die visumfrei oder mit Visum für einen Kurzaufenthalt in einen der 29 teilnehmenden Staaten einreisen. Für sie ersetzt die digitale Erfassung künftig den bisherigen Stempel im Reisepass vollständig.
Wen betrifft es wirklich – und wen nicht?
Wer einen deutschen oder sonstigen EU-Pass besitzt, muss selbst nicht durch das EES-Verfahren. Auch Reisen in die Schweiz sowie Inhaberinnen und Inhaber einer deutschen Aufenthaltserlaubnis sind ausgenommen. Trotzdem lohnt es sich, die Neuerung zu kennen. Wer mit Familienmitgliedern, dem Partner oder Freunden aus einem Nicht-EU-Land unterwegs ist, etwa aus Großbritannien, den USA oder der Türkei, sollte wissen, dass diese Mitreisenden künftig an der Grenze Fingerabdrücke abgeben und sich fotografieren lassen müssen. Und selbst wer selbst nicht kontrolliert wird, bekommt die Umstellung indirekt zu spüren: Weil das System parallel für alle Nicht-EU-Reisenden läuft, kann es an stark frequentierten Grenzübergängen zu spürbar längeren Wartezeiten kommen – das bestätigt auch das Luftfahrt-Bundesamt in seinen aktuellen Hinweisen für Reisende. Wer das weiß, plant seine Anschlussflüge und Transferzeiten von vornherein etwas großzügiger.
So läuft die Kontrolle am Terminal ab
Wo das EES bereits eingeführt ist, findet die Ersterfassung an einem Selbstbedienungsterminal statt, bevor es zur finalen Kontrolle am Schalter geht. Der Ablauf besteht aus wenigen, klar aufeinanderfolgenden Schritten: Zuerst wird der aufgeklappte, biometrische Reisepass auf die Glasfläche gelegt, das Terminal liest die Daten automatisch aus. Anschließend werden die Fingerabdrücke von vier Fingern der rechten Hand erfasst, das gilt erst ab einem Alter von 12 Jahren, jüngere Kinder sind davon ausgenommen. Danach folgt ein biometrisches Gesichtsfoto, wobei Brillenträgerinnen und Brillenträger die Brille kurz absetzen sollten, um störende Reflexionen zu vermeiden. Zum Schluss steht die persönliche Prüfung durch eine Grenzbeamtin oder einen Grenzbeamten an, die oder der die erfassten Daten kontrolliert und über die Einreise entscheidet. Nur die allererste Erfassung dauert dadurch ein paar Minuten länger als der bisher gewohnte Blick auf den Pass. Bei allen späteren Reisen greift das System auf die bereits gespeicherten Daten zurück, sodass der Vorgang danach spürbar schneller geht als beim ersten Mal.
Was das für deine Reiseplanung bedeutet
Für Flugreisen ab Frankfurt oder Köln/Bonn, den beiden Flughäfen, die für die meisten Reisenden aus Koblenz, Neuwied, Bendorf und dem Landkreis Mayen-Koblenz am nächsten liegen, haben beide Airports mittlerweile eigene Infoseiten zum EES eingerichtet. Wer eine knapp getaktete Anreise oder einen Anschlussflug gebucht hat, sollte gerade bei Reisen mit Nicht-EU-Begleitung etwas mehr Zeitpuffer einplanen als bisher üblich. Das gilt besonders für Fernreisen mit Zwischenstopp außerhalb der EU und für Kreuzfahrten, die außerhalb des Schengen-Raums beginnen oder enden, etwa in der Türkei oder mit Zustiegen in Nordafrika. Ob und wie stark man selbst betroffen ist, hängt maßgeblich davon ab, wo genau die Reise startet und endet und wer mit an Bord ist. Bei klassischen Pauschalreisen innerhalb der EU oder nach Ägypten mit Direktflug ändert sich für dich als deutschen Reisenden im Alltag dagegen wenig, hier betrifft die neue Kontrolle vor allem die übrigen Passagiere im Terminal.
Praktisch vorbereitet in die nächste Reisesaison
Ein paar einfache Schritte helfen, entspannt durch die neue Kontrolle zu kommen. Die Gültigkeit des Reisepasses sollte rechtzeitig geprüft werden, viele Ziele außerhalb der EU verlangen eine Restgültigkeit von mindestens sechs Monaten über das Reiseende hinaus. Wer in gemischten Reisegruppen mit Nicht-EU-Angehörigen unterwegs ist, plant realistisch mehr Zeit am Flughafen ein, gerade bei der ersten Erfassung nach der Umstellung. Ein Blick auf die aktuellen Hinweise der jeweiligen Airline oder des Abflughafens kurz vor der Reise schadet nie, die Informationen ändern sich derzeit noch. Und bei bereits gebuchten Kreuzfahrten lohnt sich die Nachfrage beim Veranstalter, ob der Start- oder Zielhafen außerhalb des Schengen-Raums liegt, denn dort läuft die Abfertigung an Bord und am Terminal anders ab als bei einer reinen Schengen-Route.
Fazit
Das EES ist kein Grund zur Sorge, aber ein guter Grund, sich vor der nächsten Reise ein paar Minuten mehr Zeit zu nehmen, vor allem, wenn Familienmitglieder oder Freunde ohne EU-Pass mitreisen oder ein knapper Anschluss gebucht ist. Wer weiß, was ihn am Terminal erwartet, kommt entspannter durch die Kontrolle und verpasst keinen Anschluss. Gerade jetzt, kurz vor den Herbstferien, lohnt sich ein Blick auf die eigenen Reisedokumente und die geplante Reiseroute.
Wenn du unsicher bist, was das für deine konkrete Reise bedeutet, ob Flugreise, Rundreise oder Kreuzfahrt, schau ich mir das gern gemeinsam mit dir an. Meine Beratung ist kostenlos und unverbindlich, und ich nehme mir Zeit für alle Fragen rund um Buchung, Einreise und Formalitäten. Auf Wunsch komme ich dafür auch persönlich zu dir nach Hause, in Koblenz, im Landkreis Mayen-Koblenz, in Neuwied oder in Bendorf.
